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Die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD) feiert ihr 30-jähriges Bestehen und wie jedes Jahr fand im August das Bundestreffen statt. Dieses Mal war ich auch endlich dabei (meine ersten Eindrücke). Ich habe vier Tage viele tolle schwarze Menschen kennengelernt, wieder getroffen oder mal welche in echt gesehen, die ich bisher nur aus diesem Internet kannte. Kurzum: Es war großartig.

Wer’s nicht kennt: Beim ISD-Bundestreffen, das einmal im Jahr stattfindet, treffen sich unzählige Menschen. Man tauscht sich aus, es gibt u.a. Workshops, Lesungen und Filmvorführungen. Das Bundestreffen ist das Event schlechthin, bei dem schwarze Menschen mal unter sich sind.

Fast wichtiger als das Programm war mit Sicherheit die Atmosphäre. Es war wirklich schön, so viele gelöste schwarze Menschen zu sehen, die sich mal für ein paar Tage aus der weißen Mehrheitsgesellschaft herausnehmen konnten, um sie selbst sein zu können. Einfach mal dasitzen und unterhalten. Oder nur zuhören. Ich weiß noch, als ich damals, als ein Ende der Leipziger Tortur noch nicht in Sicht zu sein schien, bei einem Meeting bei Each One Teach One (EOTO) in Berlin war: Ich wollte einen der Vorstände der ISD treffen und traf? Einen ganzen Haufen schwarzer Menschen. Bei dem Meeting saß ich auch einfach nur da und hörte zu, wie sich die Leute Gedanken darüber machten, wie schwarze Kinder besser erreicht werden könnten. Oder das es so und so viele schwarze Kinder an einer Schule gibt, mit denen man Projekttage bei EOTO organisieren wollte. Wie viele Kids das waren, weiß ich nicht mehr. Aber es fühlte sich für mich an wie: Woooah, sooooo viele!1! *strahl*

Gestrahlt habe ich auch beim BT. Endlich die Möglichkeit zu haben, von den eigenen Erfahrungen zu erzählen, ohne dass immer wieder ein Arschloch versucht, diese in irgendeiner Weise zu bagetellisieren, oft sogar abzustreiten. Das ist ein völliges Kontrastprogramm zu den Erfahrungen, die schwarze Menschen in der weißen Dominanzgesellschaft machen. Gerade neulich habe ich wieder erlebt, wie ein Weißwürstchen aus Leipzig extrem aggressiv auf den RBB-Beitrag Allein unter Weißen reagierte, in dem ein Schwarzer durch Sachsen fuhr und dort eine rassistische Erfahrung nach der anderen sammelte. Nachdem sich eine hässliche Diskussion entspann, wonach das Video kein Beweis sei, weil die Erlebnisse ganz sicher provoziert, wenn nicht sogar gestellt wären, wies ich auf meine Erlebnisse hin. Denn der Lurch arbeitete meine FAQUs durch, indem er einen Derailingkommentar nach dem anderen brachte. Allen Ernstes warf mir der Jammer-Ossi (Mir Saggsn wär’n ooh schigganierd!1!) vor, dass ich keine Beweise hätte. Wohlgemerkt under einem Video, das er ebenfalls nicht als Beweis akzeptieren wollte.

Genau das passiert beim Bundestreffen nicht. In der Community gibt es freilich auch Menschen, die aus verschiedenen Beweggründen versuchen, Rassismus zu relativieren oder andere Menschen zu silencen. Allerdings scheint es ein ungeschriebenes Gesetz beim BT zu sein, dass man sich da nicht an die Gurgel geht. Und das ist wichtig, weil da Menschen wenigstens einmal im Jahr die Erfahrung machen dürfen, dass sie ernstgenommen werden. Und auch: Sie können sich vergewissern, dass sie mit ihren Erfahrungen nicht allein sind.

Oder aktiv werden. Ich habe mich tatsächlich getraut, gleich am ersten Abend mit weiteren Künstlern wie Layha Aukongo ein paar Texte zu lesen. Es fühlte sich für mich sicher genug an, meine Blog-Texte tatsächlich mal vorzulesen. Dabei kommen ja doch einige Emotionen hoch. Aber die Texte von uns allen kamen, so mein Eindruck, wirklich richtig gut an. Ein paar Tage später gab es ein Fest zum 30-jährigen Bestehen. Da sind wir noch mal aufgetreten. Dieses Mal habe ich mich dafür entschieden, etwas Neues auszuprobieren. Meine Trollbar-Texte sind ja eher fürs Lesen geschrieben, seit einiger Zeit versuche ich mich aber auch an Texten, die man performen könnte. Ich übe noch.

Den berüchtigten BT-Blues hatte ich nicht, was sicherlich damit zu tun hat, dass ich danach ja wieder nach Mannheim gefahren bin, wo man verhältnismäßig viele schwarze Menschen sieht. Das ist, wie eine Freundin neulich mit Bezug auf Frankfurt (nicht Oder) schrieb, so, als hätte man jeden Tag ein Mini-BT. Allerdings hatte ich nach dem BT oft eher unruhig geschlafen, war verschwitzt und hatte viele, viele Träume. In mir schien also doch eine ganze Menge zu arbeiten. Außerdem ist mir aufgefallen, dass ich seitdem deutlich weniger Geduld mit Weißbroten habe. Ein Beispiel: Direkt nach dem BT hatte ich Besuch und wir waren in Frankfurt (nicht Oder), u.a. um das Filmmuseum zu besuchen. Auf dem Weg dahin kreuzte so ’ne Alte meinen Weg. Die hatte sich in den Kopf gesetzt, unbedingt noch vor mir die Straße zu wechseln und zeigte das an, indem sie wortlos mit ihrem Gehstock in meine Richtung stocherte, als wollte sie sich duellieren. Ich darf annehmen, dass sie das so schnell nicht noch mal machen wird. Wer fand’s natürlich nicht toll, dass ich die Alte in ihre Schranken wies? Mein Besuch (weiß). Aber dann ist das halt so. Denn man kann nie alt genug sein, um Neues zu lernen.

Schön fand ich beim BT auch, dass mich verschiedene Menschen auf Trollbar angesprochen und mir erzählt haben, dass sie die Texte gern lesen würden. Das ist klasse, weil ich zuallerst für schwarze und andere von Rassismus betroffene Menschen schreibe. Auch mir hat es ungemein geholfen zu wissen, dass ich mit dem Problem Rassismus nicht allein bin und es mir schon gleich gar nicht einbilde, wie das Weiße immer versuchten und versuchen mir einzureden. Tollster Satz auf dem BT: „Bist du etwa DER Ali Schwarzer?“ Ich sollte mir, wie schon öfter gefordert wurde, endlich mal Visitenkarten zulegen.

Der Satz mit dem größten Wow-Faktor war übrigens:

Jemand hat mal eine viertel Stunde danach gefragt, wo ich WIRKLICH herkomme. Ich habe durchgehalten und immer wieder „Nürnberg“ geantwortet.

— Anne Chebu, Anleitung zum Schwarzsein

Ich denke, wir brauchen noch viele, viele Bundestreffen.

Bild: D Sharon Pruitt, CC-BY

(Kurzlink)