Ich hatte mich schon gefragt, wie sich die GKK+Architekten wegen der „Bitte keine Araber“-Mail rausreden würden.

„Wir respektieren nicht nur Menschen aller Nationen, wir bauen auch mit ihnen“, hatte ich so erwartet. Ist ja quasi das „Ich habe Ausländer unter meinen Freunden“-Äquivalent der Architekten. Aber die Begründung, wie es zu dem Versehen gekommen ist, ist ja mal richtig plump und unglaubwürdig.

Kurze Zusammenfassung, für die, die es verpasst haben: Ein Mann mit offensichtlich nichtdeutschen Hintergrund bewirbt sich für ein Praktikum bei einem Architekturbüro in Berlin und wurde abgelehnt. Schwamm drüber, weiter geht’s. Könnte man meinen.

Dummerweise war aber jemand im Architekturbüro mausgerutscht und sendete den Ablehnungsgrund nicht nur intern, sondern auch an den Bewerber – und der war alles andere als amused. Auf Twitter veröffentlichte er einen Screenshot der Mail mit der Bemerkung:

The worst rejection letter you may ever have
-big prestigious Berlin-based office-

– Kommentar auf Facebook
Swantje möchte keine Araber. Mail geht versehentlich an Bewerber.

Liebe [geschwärzt],

bitte keine Araber,

Swantje

– Screenshot einer Ablehnung

Die Mail ist mittlerweile geschwärzt. Anfangs war sie wohl komplett lesbar gewesen. Nicht nur deshalb, sondern weil auch eine spätere Version es noch ermöglichste, herauszufinden, um welches Unternehmen es sich handelt, wurde es für GKK Architekten zwischenzeitlich sehr ungemütlich, weshalb das Unternehmen u.a. laut Tagesspiegel sich dazu genötigt sah, eine offizielle Stellungnahme zu verschicken.

Der Tagesspiegel dazu:

Der Mann habe sich auf ein Praktikum beworben, seine Bewerbung sei allerdings versehentlich einer laufenden Stellenanzeige für Projekte in China zugeordnet worden, für die sehr gute chinesische Sprachkenntnisse und Projekterfahrung in China nötig seien.

Tagesspiegel: „Bitte keine Araber“ Bewerber in Berlin bekommt diskriminierende Mail

Ja nee, ist klar. Deshalb schreiben wir dann auch: Nix Arab!

Das Unternehmen war anscheinend so sehr über die fehlgeleitete Mail erschrocken, dass den involvierten Personen auf die Schnelle nichts eingefallen ist, was wenigstens einigermaßen plausibel wäre.

Erwartet hatte ich übrigens eher diese billige Ausrede: Es geht um ein Projekt in Israel und aufgrund der Spannungen … bla bla bla … sehen wir derzeit davon ab, dort arabische Mitarbeiter einzusetzen. Das ist zwar immer noch rassistisch, aber würde in Deutschland wohl zumindest insoweit verfangen, als dass bei den Leuten das Bild getriggert worden wäre: Ja, ja, die da drüben™ schlagen sich ja immer die Köpfe ein. So hätte man nicht nur von den eigenen Fehltritten abgelenkt, sondern gleich noch als besorgter Bürger auftreten können.

Vielleicht blieb aber auch einfach keine Zeit, sich darüber Gedanken zu machen. Immerhin wird gerade ziemlich viel Energie in das Löschen von unliebsamen Google-Rezensionen investiert. Mein Lieblingsspruch (zitiert bei t-online) bisher: „Bitte keine Araber? Bitte keine guten Bewertungen.“ Mittlerweile (Stand: 15.01., 15.23 Uhr) werden die Google-Rezensionen gar nicht mehr angezeigt.

Der Tagesspiegel schreibt, dass das Unternehmen sich entschuldigt habe und der Bewerber der Einladung zu einem Bewerbungsgespräch folgen wolle. Ich kann’s verstehen, wenn er sich dafür entscheiden sollte. Aber besser fände ich es schon, wenn er sich stattdessen (oder: auch) an ein Antidiskriminierungsbüro bzw. an die Antidiskriminierungsstelle des Bundes wenden würde. Selten hat man nämlich so einen glasklaren Beweis, warum man WIRKLICH abgelehnt wird. Normalerweise kriegt man als Betroffener nämlich eine Mail voller Bedauern, dass jemand anderes besser geeignet sei. Ich hab’s ja nun selbst oft genug erlebt, dass mit „besser geeignet“ die Hautfarbe „weiß“ gemeint ist, aber beweisen konnte ich es bisher nicht. Sind ja nicht alle so tollpatschig wie im aktuellen Fall.

Jedenfalls wünsche ich dem Bewerber, dass er aus der Geschichte noch was Positives für sich rausholen kann. Und Swantje und ihrem Büro rate ich, mal ein paar Antirassismuskurse zu besuchen. Kontakte in Berlin kann ich gern vermitteln.

Nachtrag, 19.26 Uhr: Mittlerweile hat jemand auch die Stellungnahme hochgeladen. Außerdem haben einige Medien den Skandal aufgenommen.

Hat mich positiv überrascht: In mehreren Artikeln wurde sehr deutlich auf den diskriminierenden bzw. rassistischen Charakter der Bemerkung hingewiesen. Bis jetzt fiel mir eigentlich nur die Berliner Morgenpost mit einer eigentümlich neutralen Position auf. Die spricht sogar von einem „Fall von vermeintlich rassistischer Diskriminierung“.

Nachtrag, 16. Januar 2020: Bitte keine Araber.

Google Translate Deutsch–Architekten-Deutsch (GKK-Dialekt): Der Bewerber spricht kein Chinesisch. – Bitte keine Araber.

Bild: Alex Proimos, CC-BY-NC

(Kurzlink)